Bern ist ja so was wie Hollywood. An jeder Ecke ein Star. Am Rodeo Drive (Amthausgasse) in den Promi-Schuppen (Diagonal, Fédéral et al.) ist die Dichte besonders hoch. Oft zwar nur Politiker, aber hey, immerhin. Letztes Mal: ein Wirtschaftsboss, der ein Grosi-Einkaufswägeli hinter sich herzieht. Anderes Mal, anderes Lokal: Ein Ex-Mister-Kandidat tanzt besoffen auf dem Tisch. Und wer schaut zu? Ein Eishockeyprofi und ein Boxer, der jede Frau in Sichtweite anflirtet. Im Technoclub trifft man an Weihnachten einen alternden Musiker. Im Spital wird man von einer Ex-«Musicstar»-Kandidatin gepflegt. Im Café lauscht man dem Ärger einer Actrice. Im Quartier trifft man die Dings, die eine Affäre mit dem Dings hat, und wohnt neben einem selbst ernannten Pornodarsteller. Ü-be-rall Stars!
Das ist einfach ganz wunderbar. Und geht nur, weil die Berner so wahnsinnig diskret sind. Hier kann man eben noch auf die Strasse, ohne dass es am nächsten Tag in der Zeitung steht.
Hihi.
Sarah Pfäffli
Samstag, 26. Juni 2010
Samstag, 19. Juni 2010
Bienne: Frienisberg
In Biel war Sonntagmittag, dunkle Wolken hingen über den Hügeln rund um die Stadt. Richtung Chasseral war es dunkelgrau, Richtung Frienisberg schon nachtschwarz.
Ich traf einen alten, aber entfernten Bekannten. Die Wetterlage inspirierte uns, eine alte Weisheit auszugraben. Keine Sorge, heute regnets nicht, sagte ich. Die dunklen Wolken ziehen über den Frienisberg weg, wie immer.
Einige wortlose Minuten in der brennenden Sonne später wurde der Bekannte plötzlich nachdenklich. Mit den dunklen Wolken, meinte er in ernstem Ton, sei es möglicherweise wie mit anderen problematischen Dingen im Leben. Er denke da an SCB-Fans. Oder an Menschen, die mit leuchtvioletten Rucksäcken an die BEA pilgern. Oder an Fussballteams, die immer im letzten Spiel alles verlieren.
Man muss nur am richtigen Ort leben, sagte der Bekannte, dann zieht das Dunkle automatisch über den Frienisberg weg.
Fabian Sommer
Ich traf einen alten, aber entfernten Bekannten. Die Wetterlage inspirierte uns, eine alte Weisheit auszugraben. Keine Sorge, heute regnets nicht, sagte ich. Die dunklen Wolken ziehen über den Frienisberg weg, wie immer.
Einige wortlose Minuten in der brennenden Sonne später wurde der Bekannte plötzlich nachdenklich. Mit den dunklen Wolken, meinte er in ernstem Ton, sei es möglicherweise wie mit anderen problematischen Dingen im Leben. Er denke da an SCB-Fans. Oder an Menschen, die mit leuchtvioletten Rucksäcken an die BEA pilgern. Oder an Fussballteams, die immer im letzten Spiel alles verlieren.
Man muss nur am richtigen Ort leben, sagte der Bekannte, dann zieht das Dunkle automatisch über den Frienisberg weg.
Fabian Sommer
Samstag, 12. Juni 2010
Bern: Bittersüss
Randständiger Wurmfarn, Knotige Braunwurz, Gewöhnlicher Fenchel, Aufgeblasene Lobelie, Wilde Karde, Festknolliger Lerchensporn, Dornige Hauhechel, Goldlack, Ballonpflanze, Leberblümchen, Wunderbaum, Bittersüss, Echtes Seifenkraut, Kleine Bibernelle, Edel-Gamander, Etagenzwiebel, Einjähriger Beifuss, Muskateller-Salbei, Schleime (grün), Klatschmohn, Europäischer Wolfsfuss, Echte Ochsenzunge, Echte Hundszunge, Löwenschwanz, Scharfer Hahnenfuss, Virginischer Tabak, Ausdauerndes Bingelkraut, Aufrechtes Glaskraut, Weiblicher Waldfarn, Wanzenkraut, Warzenkraut, Zottiges Purpurglöckchen, Gebräuchlicher Ehrenpreis, Taumel-Lolch, Gemeines Lungenkraut.
In Bern gedeihen ganz viele seltsame Pflänzchen. Nur sind nicht alle so gut verwurzelt und so hübsch anzuschauen wie jene dort am kühlen grünen Hang, unter der Brücke, an der Aare, wos so schön ist, dort, im Botanischen Garten.
Ich wollt, ich wär ein Bittersüss.
In Bern gedeihen ganz viele seltsame Pflänzchen. Nur sind nicht alle so gut verwurzelt und so hübsch anzuschauen wie jene dort am kühlen grünen Hang, unter der Brücke, an der Aare, wos so schön ist, dort, im Botanischen Garten.
Ich wollt, ich wär ein Bittersüss.
Samstag, 5. Juni 2010
Bienne: Kinder
In Biel war Gartenparty. In einer Badewanne mit Eis lagen geschätzte vierhundert Halbliterdosen Bier und gezählte zwei Literflaschen Mineral. Ich traf viele alte Bekannte.
Einer von ihnen war bereits ziemlich bouré und erzählte die seiner Meinung nach beste Lebensweisheit aller Zeiten. Am Abend, sagte er, lege er die Zeitung jeweils in den Kühlschrank. Damit er am nächsten Morgen schön frische Nachrichten habe.
Ich lächelte müde und ging einen Tisch weiter. Dort ging es um die Weisheiten der Kinder, ein definitiv gutes Thema. Ein Freund habe ihre fünfjährige Tochter drei Minuten vor Schluss des kürzlich ausgetragenen Champions-League-Finals gefragt, was denn die Bayern noch tun könnten, um den Match beim Stand von 2:0 für Inter Mailand noch zu drehen, erzählte eine Bekannte. Sie wisse etwas, habe das Mädchen geantwortet: Leibchen tauschen.
Fabian Sommer
Einer von ihnen war bereits ziemlich bouré und erzählte die seiner Meinung nach beste Lebensweisheit aller Zeiten. Am Abend, sagte er, lege er die Zeitung jeweils in den Kühlschrank. Damit er am nächsten Morgen schön frische Nachrichten habe.
Ich lächelte müde und ging einen Tisch weiter. Dort ging es um die Weisheiten der Kinder, ein definitiv gutes Thema. Ein Freund habe ihre fünfjährige Tochter drei Minuten vor Schluss des kürzlich ausgetragenen Champions-League-Finals gefragt, was denn die Bayern noch tun könnten, um den Match beim Stand von 2:0 für Inter Mailand noch zu drehen, erzählte eine Bekannte. Sie wisse etwas, habe das Mädchen geantwortet: Leibchen tauschen.
Fabian Sommer
Samstag, 29. Mai 2010
Bern: Hobby-Gastronomie
Hier droht wieder mal eine hübsche Bar zu schliessen. Seit Wochen jammere ich deswegen lauthals und tatenlos – so, wie es sich in Bern gehört. Dabei war ich zuletzt gar nicht mehr oft dort. Denn wenn ich rein wollte, war meist alles voll, und am besten Tisch sassen die Stammgäste und taten wichtig. Und wenns doch mal Platz hatte, machte das Personal grad Pause, und ich kam mir blöd vor zu stören.
Das ist jetzt übertrieben und emotional. Trifft aber auf viele meiner verhinderten Lieblingsbeizen zu. Wo Studis im Service arbeiten, die einem ständig zu spüren geben, dass sie im Fall einen viel tolleren Job verdient hätten und im richtigen Leben super Künstler sind. Da hab ich natürlich ein schlechtes Gewissen, bei denen etwas zu bestellen. Kürzlich, als wir wieder irgendwo ganz dämlich bedient wurden, äusserte mein Gspänli den schönen Satz: In Bern grassiert die Hobby-Gastronomie.
Aber jetzt wird alles gut. Ich habe ein neues Lieblingslokal. Es hat einen Grill, und das Personal ist ganz vorzüglich.
Mein Balkon ist im Fall ein absoluter Geheimtipp.
Sarah Pfäffli
Das ist jetzt übertrieben und emotional. Trifft aber auf viele meiner verhinderten Lieblingsbeizen zu. Wo Studis im Service arbeiten, die einem ständig zu spüren geben, dass sie im Fall einen viel tolleren Job verdient hätten und im richtigen Leben super Künstler sind. Da hab ich natürlich ein schlechtes Gewissen, bei denen etwas zu bestellen. Kürzlich, als wir wieder irgendwo ganz dämlich bedient wurden, äusserte mein Gspänli den schönen Satz: In Bern grassiert die Hobby-Gastronomie.
Aber jetzt wird alles gut. Ich habe ein neues Lieblingslokal. Es hat einen Grill, und das Personal ist ganz vorzüglich.
Mein Balkon ist im Fall ein absoluter Geheimtipp.
Sarah Pfäffli
Samstag, 22. Mai 2010
Bienne: Keinen Umweg wert
In Biel war alles en ordre. Die Leute hatten sich Mühe gegeben vor dem Spiegel; die Häuser in der Altstadt schienen in der Abendsonne noch pittoresker als sonst. Auf den Pflastersteinen zeichnete sich der Schatten einer mächtigen Linde ab. Die Bielerinnen waren mit Velos unterwegs.
Es gab Rum mit geschmolzenem Honig und Zitronensaft. Eine Brise Heimatstolz umwehte meine Seele.
Ich traf einen alten Bekannten, der mehrere Jahre im Ausland gelebt hatte und mittlerweile ins Seeland zurückgekehrt ist. Er erzählte, was ihm am Ende der Welt half, wenn ihn das Heimweh schier zerriss: Er las Reiseführer über Biel.
Gutes über Biel lesen tönt sehr gut, dachte ich. Ein paar Tage später stand ich in der Buchhandlung. Ich nahm den «Lonely Planet» über die Schweiz aus dem Regal. Auf Seite 239 stand: «Biel ist nicht hübsch, düster und keinen Umweg wert.»
Fabian Sommer
Es gab Rum mit geschmolzenem Honig und Zitronensaft. Eine Brise Heimatstolz umwehte meine Seele.
Ich traf einen alten Bekannten, der mehrere Jahre im Ausland gelebt hatte und mittlerweile ins Seeland zurückgekehrt ist. Er erzählte, was ihm am Ende der Welt half, wenn ihn das Heimweh schier zerriss: Er las Reiseführer über Biel.
Gutes über Biel lesen tönt sehr gut, dachte ich. Ein paar Tage später stand ich in der Buchhandlung. Ich nahm den «Lonely Planet» über die Schweiz aus dem Regal. Auf Seite 239 stand: «Biel ist nicht hübsch, düster und keinen Umweg wert.»
Fabian Sommer
Samstag, 15. Mai 2010
Bern: Pssst
Pssst. Ich sag jetzt mal was, aber das darf man in Bern nicht zu laut sagen. Weil hier will man die Dinge nicht verschreien. Könnte ein schlechtes Omen sein, zu früh darüber zu sprechen, findet sogar der Lauener. Also besser nur flüstern. Weil es geht hier nicht um den SCB, dort ist man sich Erfolg gewohnt, da darf man auch mal blöffen und selbstbewusst rumgröhlen. Das Thema hingegen, das ich hier besprechen will, ist eben sehr delikat. Und wir Berner mögens normalerweise nicht so gern laut. Geübt durch jahrelanges, stilles Leiden. Wir lamentieren nach Niederlagen nicht gross, weil wir eigentlich grundsätzlich davon ausgehen, dass wir eh verlieren. Wir jammern nur ganz leise. Und wenn wir dann doch mal gewinnen, ist das dann mehr so Überraschung. Wir mögen Understatement nicht – wir sind Understatement. Deshalb ist das so heikel, was ich gern sagen möchte. Also bloss nicht weitersagen. Pssst. Nicht, dass es jemand hört. Okay? Okay:
YB gewinnt im Fall morgen. Ratzfatz Meister.
Sarah Pfäffli
YB gewinnt im Fall morgen. Ratzfatz Meister.
Sarah Pfäffli
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